Er wird sowohl durch Veränderungen des Erythrozyten- als auch des Plasmaanteils beeinflusst und kennzeichnet somit anämische und polyzythämische Zustände sowie De- und Hyperhydratationen. Hohe Hämatokrit-Werte stellen einen Risikofaktor für Thromboembolien dar. Bei Ausdauersportlern werden tendenziell leicht erniedrigte Werte gefunden, was auf einer stärkeren Zunahme des Plasma- als des Erythrozytenvolumens beruht. Bei Blut- und EPO-Doping steigt der Hämatokrit aufgrund der selektiven Erhöhung des Erythrozytenvolumens an, ohne jedoch als Dopingnachweis gelten zu können. Mit der Einführung von Hämatokrit-Obergrenzen in einigen Ausdauerdisziplinen, die dem Schutz der Gesundheit des Sportlers dienen und bei deren Überschreiten der Sportler vorübergehend von der Ausübung seiner Sportart suspendiert wird, wurde versucht, Dopingpraktiken einzudämmen. Da jedoch auch ohne Dopingmaßnahmen individuell hohe Hämatokritwerte auftreten können und der Hämatokrit auch durch Erhöhung des Plasmavolumens manipuliert werden kann, sind die bestehenden Grenzwerte nicht unumstritten. Direkte Messungen der Gesamtkörperhämoglobinmenge können hier in Zukunft weiterhelfen.
Bedeutung des Hämatokrit im klinischen Bereich
Der Hämatokrit wird, oft alternativ zur Hämoglobinkonzentration, zur Beurteilung der Sauerstofftransportkapazität und Blutbildung genutzt, wobei sich beide Größen (Hämoglobinkonzentration und Hämatokrit) auch unterschiedlich verhalten können. Werte unter 37%, bzw. 34% zeigen eine Anämie an (5), ohne selbst jedoch Aufschlüsse über ihre Ursache oder über das gesamte Blutvolumen geben zu können. Ursachen für niedrige Hämatokritwerte können in Blutbildungsstörungen (z.B. renalen Ursprungs), Blutverlusten oder erhöhten Hämolyseraten (z.B. Malaria) liegen. Bei Blutverlusten muss beachtet werden, dass der Hämatokrit noch mehrere Stunden unverändert bleibt, da Blutzellen und Plasma gleichermaßen verloren werden. Erst nach 24-48 Stunden, wenn das Blutvolumen durch Plasmaflüssigkeit normalisiert wurde, sinkt der Wert. Im Verlauf einer Therapie mit rhEPO aufgrund renaler Insuffizienz wird ein Zielhämatokrit von ca. 35% angestrebt, da in diesem Bereich kaum Komplikationen beobachtet werden. Werte oberhalb von ca. 52% zeigen eine Polyglobulie an, die primär, wie z.B. die Polyzythämia vera, oder sekundär durch Plasmavolumenverminderungen bedingt sein kann. Sehr hohe Werte mit bis zu 80% können pathologischerweise bei Höhenbewohnern gefunden werden (Monge´s Disease; (3)). Die Viskosität des Blutes wird in erster Linie vom Hämatokrit bestimmt. Sie nimmt bis zu einem Wert von ca. 45% nur relativ gering zu und steigt bei größeren Werten exponentiell an. Hohe Hämatokritwerte gelten daher als ein wichtiger Risikofaktor für Schlaganfälle. Generell stellt der Hämatokrit keine Konstante dar, sondern wird von vielen Faktoren beeinflusst. Abgesehen von Veränderungen der Erythrozytenmenge variiert der Hämatokrit bei Anstieg und Abfall des Plasmavolumens. Wegen des veränderten hydrostatischen Drucks fällt er daher während des Liegens (z.B. im Schlaf von 45,3 % auf 42,9%) (6) sowie beim Aufenthalt im Wasser und steigt im Stehen (Abb. 1). Längerer Aufenthalt im Wasser und in der Schwerelosigkeit führen dagegen wegen einer erhöhten Diurese zu einem Anstieg über den Ausgangswert. In der Höhe steigt der Hämatokrit ebenfalls wegen der hypoxiebedingt vergrößerten Harnproduktion schon vor einer merkbaren Neubildung von Erythrozyten an (Plasmavolumen-Verlust beträgt ca. 500 ml innerhalb von 2 Tagen auf 3550 m; (7)). Bei körperlicher Belastung steigt der Hämatokrit in Abhängigkeit von Intensität und Dauer in Extremfällen um bis zu 10% (z.B. von 45% auf 55%) an (Abb. 1). Die Ursachen liegen in einem erhöhten Blutdruck bei gleichzeitig vermehrter Öffnung von Kapillaren, was zu einer stärkeren Filtration von Blutflüssigkeit in den interstitiellen Raum führt, in einem osmotisch bedingten von intravasal in die Muskulatur gerichteten Wasserstrom während hochintensiver Belastung und in einem Schweißverlust, der zu ca. 11% intravasalen Ursprungs ist (6). Im Verlauf eines längerfristigen Ausdauertrainings nimmt der Hämatokrit infolge der Plasmavolumenexpansion (500ml in 3 Wochen) deutlich ab. Ein gleiches Bild zeigt sich während wiederholter Wettkampfphasen (im Verlauf eines 10-tägigen Radetappenrennens von 46.4% auf 41.3%; (6)). Obwohl hohe Hämatokritwerte eine hohe O2- Transportkapazität widerspiegeln, zeigen Ausdauersportler eher niedrigere Hämatokritwerte als Kraftsportler oder untrainierte Personen, so dass sich im Normalfall eine leicht negative Korrelation zwischen Hkt und VO2max ergibt (6). Da jedoch ein niedriger Hämatokrit auch einen anämischen Zustand (im Sportbereich meist aufgrund eines Eisenmangels) anzeigen kann, sollte insbesondere bei Ausdauersportlerinnen in diesem Fall der Eisenhaushalt kontrolliert und im Bedarfsfall substituiert werden. Wird jedoch der Hämatokrit bei einem Ausdauersportler durch Höhentraining oder in noch größerem Ausmaß durch Blut- oder EPO-Doping erhöht, zeigt sich eine deutliche Leistungssteigerung. Physiologischerweise ist somit eine erhöhte aerobe Leistungsfähigkeit nach Training im Flachland mit einem niedrigeren Hämatokrit, nach Aufenthalt im Hochland und nach Blut- und EPO-Doping mit einem höheren Hämatokrit korreliert.
Hämatokrit als Kontrolle von Blutmanipulationen
In Folge der seit Beginn der neunziger Jahre ansteigenden Zahl von Manipulationen mit EPO wurden in einigen Ausdauerdisziplinen Obergrenzen für den Hämatokrit oder alternativ die Hämoglobinkonzentration eingeführt. Sie betragen z.B. im Radsport (UCI) 50% bei Männern, bzw. 47% bei Frauen, im Bereich des Nordischen Skisports (FIS) 17,5 g/dl, (ca. 51,5%), bzw. 16,0 g/dl (ca. 47%). Bei Überschreiten dieser Obergrenzen werden im Radsport die Rennfahrer für zwei Wochen gesperrt. Wenn bei der nachfolgenden Messung der Wert unter 50% liegt, darf danach wieder gestartet werden. Falls einzelne Sportler nachweislich schon normalerweise oberhalb dieses Wertes liegen, trifft die vorübergehende Suspension auf sie nicht zu. Die Zahl dieser Ausnahmen dürfte nach unseren Messungen bei ca. 2,5% (2), nach denen anderer Autoren bei bis zu 30% liegen. Der Sinn der Obergrenzen liegt nicht in einem Nachweis einer Blutdopingmaßnahme, sondern dient offiziell dem Schutz des Sportlers. Weiter sollen hierdurch Dopingpraktiken eingedämmt werden. Dennoch kann nicht ausgeschlossen werden, dass sich einige Sportler an die Obergrenzen „herandopen“ oder bei zu hohen Werten den Hämatokrit mittels Plasmaexpander reduzieren.
Quelle: Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin Jahrgang 53, Nr. 11 (2002)
www.zeitschrift-sportmedizin.de
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5. Oktober 2006
Hämatokrit
Der Hämatokrit kennzeichnet den Anteil der Erythrozyten an einer Blutprobe und mit Einschränkungen auch am Gesamtblut. Er beträgt beim Mann ca. 45% und bei der Frau 40% mit einer noch als normal geltenden
relativ hohen Schwankungsbreite.
relativ hohen Schwankungsbreite.
Herr Dörrfuß






