Golf nach Herzinfarkt
Im Anschluß an eine erfolgreiche kardiale Rehabilitation, bei stabilem kardialen Befund und beschwerdefreier Leistungsfähigkeit von mehr als 1 Watt/kg Körpergewicht ist Golfspielen möglich. Auf Wettkämpfe sollte allerdings verzichtet werden. Aufgrund des geringen aeroben Trainingseffekts eignet sich Golfspielen nur bedingt zur kardialen Prävention und Rehabilitation. Ein ergänzendes dosiertes Ausdauertraining ist empfehlenswert.
Golf bei Bluthochdruck
Golfspiel stellt keine absolute Kontraindikation für einen suffizient behandelten Bluthochdruck dar. Allerdings sollte auch hier auf Wettkämpfe mit hoher psychischer Beanspruchung verzichtet werden, was besonders für Patienten mit linksventrikulärer Hypertrophie, Retinopathie oder deutlicher Belastungshypertonie gilt.
Golf bei Hüftendoprothesen
Golfspielen ist auch mit Hüftendoprothesen möglich, wenn die postoperative Rehabilitation abgeschlossen ist, das Gelenk wieder ausreichend beweglich ist und muskulär geführt sowie stabilisiert werden kann (unauffälliges Gangbild). Eine zementfreie Prothese muß stabil in den Knochen integriert sein. Wann mit dem Golfspiel begonnen werden kann, sollte mit dem behandelnden sportmedizinisch versierten Orthopäden abgesprochen werden. Beim Gehen auf Rasen sind keine besonderen Belastungen der Hüfte zu erwarten. Problematisch könnten beim Abschlag Drehmomente werden, die die Verankerung der Prothese belasten & insbesondere, wenn die Hüfte nicht ausreichend muskulär geführt und stabilisiert werden kann. Daher sollte die Drehbewegung beim Schwung verkürzt und eine ausgeprägte Rechts-Links-Bewegung mit starker Belastung des linken Hüftgelenks (bei Rechtshändern) vermieden werden.
Golf bei Bandscheibenprotrusion bzw. -prolaps
Bandscheibenprotrusion oder Bandscheibenprolaps bzw. Zustand nach Nucleotomie stellen keine generelle Kontraindikation dar. Asymptomatische Bandscheibenvorfälle, also solche ohne klinische Manifestation, sind als Zufallsbefund bei sog. "Bandscheibengesunden" in bis zu 25 % der Fälle objektiviert worden (4). In bis zu 6 % handelt es sich um sequestrierte Vorfälle. Zahlreiche Golfspieler haben also einen Vorfall, ohne davon zu wissen. Als Kontraindikation für das Golfspiel ist der akute Vorfall mit entsprechender Schmerz- und neurologischer Symptomatik anzusehen. Hier sollte erst nach Abklingen der Beschwerden und einem muskulären Aufbautraining mit dem Golf begonnen werden. Bei Rückenbeschwerden sollte die Drehbewegung allerdings verkürzt und eine Hyperlordosierung am Ende des Drehschwungs (Finish) vermieden werden. Wichtig ist ein vorbereitendes sowie begleitendes Rumpfmuskel- und Beweglichkeitstraining (Kräftigung der Rücken- und insbesondere Bauchmuskulatur bei guter Dehnfähigkeit der Rückenstrecker).
Allgemeine sportmedizinische Aspekte
Zur Vermeidung einer Dehydratation und Hypoglykämie sind während eines Golfspiels, vor allem bei Hitze, regelmäßiges Trinken und Zufuhr von leicht verdaulichen Kohlehydraten erforderlich. Hiermit sollte bereits in der ersten Hälfte der Golf-runde begonnen werden, bevor sich ein Durst- oder Hungergefühl einstellt.
Zu achten ist weiterhin auf einen zweckmäßigen Sonnenschutz (Kopfbedeckung) zur Vermeidung eines "Sonnenstichs" oder Hitzschlags.
Spieler mit allgemein reduzierter Leistungsfähigkeit sollten sich vorher über die Platzverhältnisse informieren, um Überlastungen zu vermeiden.
Allen Neueinsteigern jenseits des vierzigsten Lebensjahres wird eine sportmedizinische Gesundheitsuntersuchung empfohlen.
Zusammenfassung
Golfspielen ist eine von vielen betriebene Sportart, die aufgrund insgesamt nur moderater Beanspruchung bis ins hohe Alter betrieben werden kann. Gesundheitliche Vorteile sind nach derzeitigem Wissenstand möglich, jedoch bisher nicht eindeutig nachgewiesen. Voraussetzung für gesundes Golfspielen ist vor allem eine gute, den individuellen körperlichen Voraussetzungen angepasste Technik.
Ein ergänzendes allgemeines Fitnesstraining wird nicht nur zur Leistungsstabilisierung des Golfspielens beitragen, sondern den gesundheitlichen Nutzen verstärken. Beispiele hierfür sind die Organisation eines clubeigenen Lauftreffs oder sogar die Einrichtung einer Laufstrecke auf dem Gelände des Golfclubs.
Quelle: Sektion Breiten-, Freizeit- und Alterssport der DGSP
Erarbeitet von F. Boldt, Landesinstitut für Sportmedizin Berlin (Federführung)
A. Ferrauti, Deutsche Sporthochschule Köln
R. Wolff, Institut für Sportwissenschaft, Humboldt-Universität Berlin
Kontakt: www.dgsp.de/ds-e009.htm
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Nachrichten
31. August 2005
Sportmedizinische Aspekte des Golfsports
3. und letzter Teil der Serie: Es geht dabei um spezielle medizinische Probleme, wie z.B.: Herzinfarkt, Bluthochdruck, Hüftendoprothesen oder Bandscheibenprotrusion. Ein ergänzendes allgemeines Fitnesstraining wird nicht nur zur Leistungsstabilisierung des Golfspielens beitragen, sondern den gesundheitlichen Nutzen verstärken.
Herr M.A. Höfling






