Für den Patienten bedeutet die Diagnose Arthrose in der Regel eine deutliche Einschränkung seiner Lebensqualität. Unter den chronischen Erkrankungen sind Erkrankungen des Bewegungsapparates mit dem stärksten Verlust an Lebensqualität assoziiert. Insbesondere Schmerzen und die Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit wirken sich sehr negativ aus.
Die Prävalenz der Arthrose steigt mit dem Alter und der Anteil älterer Menschen in der Bevölkerung Westeuropas wächst beständig. Dies lässt erwarten, dass Osteoarthrose auch in Zukunft eine deutliche Belastung für das Gesundheitssystem und den einzelnen Patienten sein und ihre Behandlung eine verantwortungsvolle Aufgabe für Orthopäden, Chirurgen, Allgemein- und Sportmediziner darstellen wird.
Risikofaktoren für die Entwicklung einer Arthrose
Der Entwicklung einer Arthrose liegt zunächst einmal der Verschleiß des Gelenkknorpels im Verlauf des natürlichen Alterungsprozesses zugrunde. Es gilt jedoch als gesichert, dass weitere Faktoren einen Einfluss auf den degenerativen Prozess bei einer Arthrose haben. Nicht beeinflussbare Faktoren stellen dabei Geschlecht und genetische Prädisposition dar. Als beeinflussbare Risikofaktoren gelten daneben Übergewicht, hormonelle Einflüsse, Gelenkdeformitäten, -traumata und -überbelastungen, sowie frühere operative Eingriffe an den Gelenken.
Erhöhte BMI-Werte scheinen vor allem das Risiko für eine Gonarthrose zu erhöhen, wie die Ergebnisse zahlreicher Studien zeigen. Eine Reduzierung des Gewichts von 5,5 kg hat ein um mehr als die Hälfte niedrigeres Risiko zur Folge, an einer klinisch relevanten Gonarthrose zu erkranken. Verletzungen bzw. Traumata, insbesondere wenn Meniskektomien nötig wurden, ziehen in bis zu 70% der Fälle arthrotische Veränderungen der Knie- und zum Teil auch der Hüftgelenke nach sich. Der Einfluss von Östrogen auf die Entstehung einer Arthrose wird kontrovers diskutiert, einige Studien zeigten eine protektive Wirkung von Hormonersatztherapien bei postmenopausalen Frauen, während ander Untersuchungen keinen Zusammenhang finden konnten. Extreme Beanspruchungen der Kniegelenke, wie das häufige Beugen unter großer Last, sind berufliche Faktoren, die nachgewiesenermaßen eine Gonarthrose fördern können. Der Einfluss mechanischer Belastungen schlägt sich auch bei Maurern nieder, die eine deutlich erhöhte Arthroseprävalenz der Schulter von 40 bis 60% im Durchschnittsalter von 50 Jahren aufweisen. Immer stärker in das Blickfeld rücken seit einiger Zeit auch Faktoren wie Nährstoffe (Vitamin D, Antioxidantien) oder die Knochendichte.
Allgemeine präventivmedizinische Maßnahmen
Heute wird der Prävention innerhalb der Medizin ein zunehmender Stellenwert zugeschrieben und insbesondere der Sport spielt hier eine bedeutende Rolle. Unter einem gesunden Lebensstil verstehen wir heute u.a. ene ausgewogene Ernährung und regelmäßige körperliche Bewegung. Beide Punkte tragen dabei auch zur Prävention der Arthrose bei, da sie einen günstigen Effekt auf den Knorpelstoffwechsel ausüben. Da der hyaline Knorpel keine Blutgefäße besitzt, geschieht die Ernährung des Knorpelgewebes über Diffusion. Wechselseitige Druck- und Scherbelastungen innerhalb bestimmter Belastungsgrenzen (Walkbewegungen) unterstützen dabei den Nährstofftransport in das Gewebe. Körperliche Belastungen wie Schwimmen, Radfahren, Skilanglauf, Eislaufen, Wandern und - mit bestimmten Einschränkungen - auch Jogging und Fitnesstraining führen zu dynamischen Beanspruchungen der Gelenke innerhalb physiologischer Grenzen, die als günstig für den Knorpelstoffwechsel angesehen werden.
Die Entstehung von Übergewicht führt dagegen zu einem Teufelskreis, da einerseits das erhöhte Körpergewicht die mechanische Belastung auf den Knorpel erhöht, und im Zuge der Gewichtszunahme regelhaft eine Abnahme der körperlichen Aktivität beobachtet wird.
Epidemiologische Studien zur Adipositas in Deutschland weisen eine latente Adipositas (BMI > 25) bei 40% der Erwachsenen und eine manifeste Adipositas (BMI > 30) bei 20% der Erwachsenen aus. Bei Übergewicht steigt das Arthroserisiko auf das 2-3fache an.
Aus dem Gesagten ergibt sich, dass im Sinne der Prävention der Arthrose ein breites Interesse bestehen muss, das Übergewicht zu vermindern und die Patienten zu körperlicher Aktivität und ausgewogener Ernährung zu motivieren.
Quellen:
Engelhardt, M.: Epidemiologie der Arthrose in Westeuropa, in: Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin, 54.Jhrg., 2003, Heft 6, S.171-175
Höher, J./Enneper, J.: Prophylaxe der Gonarthrose, Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin, 54.Jhrg., 2003, Heft 6, S.184-187
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3. September 2003
Uebergewicht erhöht das Arthroserisiko
Osteoarthrose ist weltweit die häufigste Gelenkerkrankung. Die sozioökonomische Belastung, ebenso wie die individuelle Beeinträchtigung der Patienten, ist erheblich. Die Rate an Neuerkrankungen (Inzidenz), die bei radiologischen Untersuchungen verschiedener Populationen Europas gefunden wurde, liegt bei wenigstens 1% pro Jahr.
Herr M.A. Höfling






